Zentrale Gedenkstunde des Landes Hessen zum Volkstrauertag in der Paulskirche

(pm/fsm) – Am Sonntag fand in der Paulskirche die zentrale Gedenkstunde des Landes Hessen zum Volkstrauertag statt.

„Einhundert Jahre nach Einführung des Volkstrauertages ist Europa mit einem erneuten Angriffskrieg konfrontiert. Weltweit fliehen Millionen Menschen vor Gewalt und Krieg, aber auch vor Hunger, den Folgen des Klimawandels und fehlenden Zukunftsaussichten. Das millionenfache Leid der Weltkriege und gegenwärtigen Kriege ist Teil des stillen Gedenkens an diesem Tag und fordert uns alle dazu auf, uns für Menschlichkeit, Zusammenhalt und ein friedliches Miteinander einzusetzen“, sagte Staatsminister a. D. Karl Starzacher, der Landesvorsitzende des Volksbundes in Hessen.

In ihrer Begrüßung betonte Kultur- und Wissenschaftsdezernentin Ina Hartwig, gleichzeitig Kreisvorsitzende des Volksbundes: „Der Volkstrauertag steht 2022 unter besonderen Vorzeichen: Zum ersten Mal in diesem Jahrhundert herrscht wieder Krieg in Europa. Es kann nicht die Aufgabe der Erinnerungskultur sein, in den damit verknüpften politischen Fragen eine eigene Position zu entwickeln. Was die Erinnerungskultur aber kann und tun muss, ist anhand des historischen Beispiels zu warnen und zu mahnen, um dem Bellizismus etwas entgegenzuhalten. Sie muss das Grauen des Krieges, das Leid der Opfer in Erinnerung rufen und im öffentlichen Diskurs die Erkenntnis bewahren, dass dies untrennbar mit Krieg verbunden ist.“

In ihren Beiträgen stellten die Schülerinnen und Schüler der Weidigschule in Butzbach vor dem Hintergrund der Nachrichtenflut und der Bilder der Vergangenheit und aktueller Kriege fest, was für Frieden unentbehrlich ist: „… Kommunikation, sich auszutauschen, sich zusammenzusetzen, zu verhandeln und Kompromisse zu schließen. Genau das, was Demokratie ausmacht. Kommunikative Friedensarbeit besteht aus der Bereitschaft, Konflikte gewaltlos zu klären. Sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen und den richtigen Weg Hand in Hand zu beschreiten.“ Selbstkritisch bezogen sie diese Erkenntnis letztlich auch auf sich, denn „der Weg in den Frieden beginnt viel früher, mit jedem von uns. Genau dort müssen wir alle ansetzen.“

Das offizielle Totengedenken, das alle Gedenkstunden des Volkstrauertages beschließt, greift diesen Appell auf. Dort heißt es: „Wir gedenken heute auch derer, die bei uns durch Hass und Gewalt Opfer geworden sind. Wir gedenken der Opfer von Terrorismus und Extremismus, Antisemitismus und Rassismus in unserem Land. Wir trauern mit allen, die Leid tragen um die Toten und teilen ihren Schmerz. Aber unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern, und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der ganzen Welt.“

Die Gedenkrede hielt Uwe Becker, Hessischer Staatssekretär für Europa und Antisemitismus-Beauftragter: „Von Deutschland aus ist Krieg, Gewalt und Terror ausgegangen und deshalb ist es umso mehr unser Auftrag, uns dafür einzusetzen, dass sich derartiges nicht wiederholt und das wir alle aufstehen, wenn Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung neuen Boden zu gewinnen versuchen.“

Auf dem Foto: Kulturdezernentin Ina Hartwig, Staatssekretär Uwe Becker und Stadtverordnetenvorsteherin Hilime Arslaner (alle vorne, Mitte) mit den Schülerinnen und Schülern der Weidigschule

Foto: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge