Ultrafeinstaub im Umfeld des Flughafens Frankfurt – HLNUG legt neuen Bericht vor

(pm/fsm) – „Bei Wind aus Richtung Frankfurter Flughafen steigt die Konzentration ultrafeiner Partikel in der Luft stark an“, so die Kernaussage des 4. Berichts zur Untersuchung der regionalen Luftqualität auf ultrafeine Partikel im Bereich des Flughafens Frankfurt, den das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) veröffentlicht hat.

„Der Flughafen hat einen erheblichen Anteil an der Ultrafeinstaub-Belastung in der Umgebung,“ so HLNUG-Präsident Prof. Dr. Thomas Schmid, „wir dürfen aber auch den Straßenverkehr als Quelle für Ultrafeinstaub nicht außer Acht lassen. Noch wissen wir nicht genau, wie gefährlich diese Partikel für die menschliche Gesundheit sind. Fest steht aber schon jetzt: Gesund sind sie nicht, und wir sollten sie reduzieren.“

Für den Bericht wurden alle bisherigen Messreihen zu ultrafeinen Partikeln (UFP) seit 2017 zusammengefasst. Diese Gesamtauswertung bestätigt die Aussagen früherer Berichte: An allen Messstandorten steigt die UFP-Konzentration an, wenn zu Zeiten des Flugbetriebs der Wind aus Richtung des Flughafengeländes weht. Die für den städtischen Hintergrund typische UFP-Konzentration von ca. 6.000 – 7.000 Partikeln pro Kubikzentimeter wird dabei teilweise um ein Vielfaches überschritten. Die Emissionen aus dem Flugbetrieb lassen sich anhand größenaufgelöster Messungen von denen anderer Quellen, etwa dem Kfz-Verkehr, unterscheiden.

Die Verbreitung der UFP-Emissionen vom Flughafen in das Umland wurde exemplarisch entlang der Hauptwindrichtung (in Richtung Nordosten) durch Messungen in Frankfurt-Schwanheim und Frankfurt-Niedwald bis zur 14 Kilometer entfernten Station in Frankfurt-Riedberg dokumentiert. Die typischen UFP-Emissionen aus dem Flugbetrieb sind, wenn auch in deutlich geringerer Konzentration, bis in diese Entfernung nachweisbar. Der durch diese Emissionen im Vergleich zur Hintergrundkonzentration verursachte zusätzliche Beitrag zur UFP-Immission nimmt mit zunehmender Entfernung exponentiell ab. In Frankfurt-Riedberg führen die zusätzlichen Emissionen bei Wind aus Richtung Flughafen zu einer Erhöhung der UFP-Konzentration von etwas mehr als 25 Prozent. Von dieser zusätzlichen Belastung durch Ultrafeinstaub sind den bisherigen Erkenntnissen zufolge weite Teile des Frankfurter Stadtgebiets betroffen, hauptsächlich die südlichen Stadtteile. Es ist zu erwarten, dass bei anderen Windrichtungen die UFP-Emissionen ähnlich weit in das Umland verbreitet werden. Die vorübergehend sehr niedrigen Flugbewegungszahlen infolge der Corona-Pandemie nehmen aktuell wieder kontinuierlich zu, dies führt auch bei der Konzentration der ultrafeinen Partikel zu einem Wiederanstieg.

Darüber hinaus zeigen Messungen an einer Hauptverkehrsstraße (Friedberger Landstraße in Frankfurt), dass die UFP-Konzentration durch die Emissionen aus dem Kfz-Verkehr gegenüber dem städtischen Hintergrund lokal ebenfalls deutlich erhöht ist (50%).

In Bezug auf die UFP-Emissionen durch den Flugbetrieb wird aber nicht nur an der Messung von Ultrafeinstäuben, sondern auch an der Vermeidung an der Quelle gearbeitet. So hat sich die neue Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag vorgenommen, sich bei der dafür zuständigen EU für einen deutlich strengeren Grenzwert für Schwefel im Kerosin einzusetzen. Der auch vom Land Hessen beförderte sukzessive Einsatz von synthetischem Kerosin wird ebenfalls zu reduzierten Emissionen von Luftschadstoffen und UFP führen. Da sie weniger Verunreinigungen enthalten, verbrennen sie sauberer. Schließlich wird am Flughafen auch an der Vermeidung von Verbrennungsprozessen an sich gearbeitet, zum Beispiel, in dem die Bodenfahrzeuge elektrifiziert werden.

Hintergrund Ultrafeinstaub

Ultrafeine Partikel sind die kleinsten festen Partikel in der Luft – sie haben einen Durchmesser von weniger als 100 Nanometern und können aufgrund ihrer geringen Größe besonders tief in den menschlichen Körper eindringen. Welche Gefahr für die Gesundheit von Ultrafeinstaub ausgeht, kann jedoch noch nicht ausreichend beurteilt werden – bislang gibt es noch zu wenige epidemiologische Studien, die die Effekte der ultrafeinen Partikel untersuchen. Eine Messverpflichtung oder gar Grenzwerte gibt es deshalb noch nicht.

Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) untersucht mit Förderung durch die Gemeinnützige Umwelthaus GmbH (Forum Flughafen und Region) seit einigen Jahren, wie sich der Flughafen Frankfurt auf die Luftqualität in der Umgebung auswirkt. Dabei hat sich gezeigt, dass der Flugbetrieb eine bedeutende Quelle ultrafeiner Partikel (UFP) ist. Die am Boden und bei niedrigen Flughöhen ausgestoßenen Partikel werden mit dem Wind in die Umgebung transportiert, so dass dort bodennah deutlich erhöhte Konzentrationen an UFP beobachtet werden. Regionen, die aufgrund der vorherrschenden Windrichtung häufig in der Abluft des Flughafens liegen, sind davon am stärksten betroffen. Aber auch andere Quellen der UFP, z. B. der Straßenverkehr, spielen eine nicht unerhebliche Rolle.

UFP-Belastungs- und -Wirkungsstudie im Rhein-Main-Gebiet

Aufbauend auf den Ergebnissen des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie führt das Forum Flughafen und Region (FFR) eine umfassende Untersuchung der Belastung durch UFP und deren potenziell gesundheitliche Wirkung in der Rhein-Main-Region durch. In diesem mehrjährigen Prozess wird aktuell in einem ersten Schritt der Entwurf eines Studiendesigns für die vorgesehene Belastungsstudie durch ein Konsortium mehrerer Forschungseinrichtungen unter Leitung des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung e.V. erstellt. Weitere Schritte zur Umsetzung der Belastungsstudie und Vorbereitung der Wirkungsstudie werden 2022 folgen.

Weitere Informationen zum Thema Ultrafeine Partikel:

https://www.hlnug.de/themen/luft/luftqualitaet/sondermessprogramme/ultrafeine-partikel
https://www.hlnug.de/fileadmin/dokumente/luft/sonstige_berichte/ufp/UFP_Hintergrundinformation_2019.08.09.pdf
https://www.umwelthaus.org/umweltmonitoring/ultrafeinstaub/auftrag-unh/

 

Foto: Fraport AG