Geheimnis gelüftet: Im Kirchturm der Dreikönigskirche gefundene Zeitkapseln geöffnet

(pm/fsm) – Bei der Sanierung des Turms der markanten Kirche am Sachsenhäuser Mainufer hat bei der Entfernung des rund 140 Jahre alten Turmkreuzes aus Schmiedeeisen am 17. Juni ein Arbeiter zwei sogenannte Zeitkapseln sowie ein kleines Fläschen mit einer unbekannten Flüssigkeit und drei Münzen entdeckt. Jetzt wurde der Inhalt beider Kapseln der Öffentlichkeit präsentiert.


„Eine Nachricht aus der Vergangenheit zu finden, ist natürlich für alle Beteiligten unheimlich aufregend. Allerdings ist manchmal die Vorfreude auch aufregender als der Inhalt“, sagte Bürgermeister und Kirchendezernent Uwe Becker. „Dennoch ist der Gruß aus der Vergangenheit und die gefundenen Dokumente, Visitenkarten und Urkunden kulturhistorisch bedeutend und es zeigt einmal mehr, dass unsere Dotationskirche zu unserem kulturellen Erbe gehören. Ihre Pflege und Erhaltung ist auch für kommende Generationen von Bedeutung.“

In der Eisenkapsel war ein mehrfach gefalteter Umschlag aus Zeitungspapier eingefügt. Unter der obersten Faltung befand sich eine Notiz zusammen mit einem Papierumschlag und drei Visitenkarten. Das Innere des Zeitungsumschlags gab ein Pergamentdokument frei.

Die Zinkkapsel war mit einer handschriftlichen Pergamenturkunde vom Abschluss der Bauarbeiten am 23. Oktober 1880, mit drei architektonischen Zeichnungen sowie der Aufstellung des Magistrats von 1875 und 1880 als auch Aufstellungen der Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung von 1880 gefüllt.
Die Dokumente lagen auf zwei Stapeln innerhalb der Kapsel. Auf die gefaltete Pergamenturkunde waren die zusammengestellten Dokumente zu einem Bund gestapelt. Sie bildeten dabei aufeinandergelegt und zweifach gefaltet einen Umschlag für die vier Listen.

Das Fläschchen mit der unbekannten Flüssigkeit hätte leider nicht geöffnet werden können, ohne es komplett zu zerstören. Somit bleibt der Inhalt vorerst ein Geheimnis.

Nach der Sichtung und Prüfung aller Fundstücke durch das Institut für Stadtgeschichte sowie deren Digitalisierung, um sie für die Nachwelt zu archivieren, werden alle Dokumente wieder in die Zeitkapseln zurückgelegt und fest verschlossen, damit sie wieder in den Turm bis zur nächsten Sanierung eingebracht werden können. Zudem soll eine weitere Kapsel mit Inhalten aus dem Jahr 2021 in die Kugel kommen.

„Nicht nur für Laien, manchen Hobby-Historiker und an Baugeschichte Interessierte ist der Fund der Zeitkapseln, die 1880 in einer feierlichen Zeremonie zur Fertigstellung der Kirche angefertigt wurden, spektakulär und überraschend. Der Inhalt ist Beweis für die Bedeutung dieses Baudenkmals am Mainufer. Und da das Amt für Bau und Immobilien eine hervorragende Kompetenz beim Umgang mit historischer Bausubstanz hat, ist garantiert, dass sich der Turm der Dreikönigskirche nach der Sanierung wieder im besten Zustand präsentiert. Ich freue mich, dass die Handwerker auch die Zeitkapseln sicher bergen konnten und bin gespannt, welche Erkenntnisse noch daraus gewonnen werden können“, sagte Baudezernent Jan Schneider.

Im September ist die Restaurierung und Vergoldung der Kugel und des Wetterhahns geplant sowie die Vorbereitung der Turmspitze zur Montage. Die Wiederanbringung der Kugel, des Turmkreuzes und des Wetterhahns sind im Oktober vorgesehen. Insgesamt investiert die Stadt Frankfurt 3,2 Millionen Euro in das Baudenkmal. Bis 2023 werden im dritten und letzten Bauabschnitt die Fassade und das Dach des Turms der neogotischen Kirche im Stadtteil Sachsenhausen restauriert sein.

Die Dreikönigskirche gehört zu den acht Dotationskirchen im Stadtgebiet der Stadt Frankfurt am Main und wurde zwischen 1875 und 1881 von dem Architekten Franz Joseph Denzinger erbaut.

Auf dem Foto: Der Inhalt der Kapseln

Foto: Stadt Frankfurt, Bernd Kammerer