„150 Jahre“: So feiert der Palmengarten sein Jubiläumsjahr

(pm/fsm) – Am Dienstag wurde der Palmengarten 150 Jahre alt. Was der Garten in seinem Jubiläumsjahr plant, welche Neuerungen er seinen Besuchern bietet und warum er in der kommenden Ausstellung des Historischen Museums eine der Hauptrollen spielt, darüber haben Palmengarten-Direktorin Katja Heubach und Stadträtin Rosemarie Heilig, Dezernentin für Umwelt und Frauen, einen Überblick gegeben.

„Freilich stand die Zeit trotz unserer Corona-bedingten Schließung nicht still, überall im Garten wurde fleißig gearbeitet. Wir alle haben sehnsüchtig darauf gewartet, wieder eröffnen zu können und freuen uns umso mehr, dass wir unsere Besucher pünktlich zu unserem Geburtstag einlassen können. Für sie haben wird uns trotz Pandemie und entsprechend erschwerter Parameter ein abwechslungsreiches Jubiläumsprogramm ausgedacht“, sagt Heubach.

So soll im Sommer das Blüten- und Schmetterlingshaus (BSH) mitsamt der neuen Informationsausstellung „Abgestaubt! Von Blüten und ihren Besuchern“ eröffnen. Neue pädagogische Angebote nehmen die Thematik auf und transportieren sie aus dem BSH heraus ins Freiland. Es wird eine große Jubiläumsausstellung geben, Kunstwerke diverser Genres werden in den Garten Einzug halten und die Fans von Jazz, Blues, Singer-Songwriter und Kammeroper dürfen sich auf die Musiksaison freuen.

Das Jubiläumsprogramm spiegelt wieder, wofür der Palmengarten steht: Natur, Artenvielfalt, Bürgerengagement, Historie, Bildung, Erholung, Vergnügen, Kultur. „Eine einzigartige Melange, die wir Gartengründer Heinrich Siesmayer und all seinen Nachfolger*innen, die den Garten mit innovativen Ideen weiterentwickelten, zu verdanken haben“, sagt Umweltdezernentin Heilig. „Der Palmengarten ist ein herrlicher Park mit vielfältigen Angeboten, vielleicht sogar der schönste Ort Frankfurts.“ Besonders freut sich Heilig über das neue Selbstverständnis, das der Garten in den vergangenen Jahren entwickelt habe – von einem sorgsam angelegten Schaugarten hin zu einem Ort, an dem die Frankfurter einen Gegenpol zur wachsenden Stadt finden: Platz. Grün. Luft. Natur. „Heute, angesichts von Klimawandel und Artensterben, können wir die Bedeutung des Palmengartens gar nicht hoch genug schätzen“, betont Heilig.

Ebenfalls höchst schätzenswert ist die Relevanz von Insekten für Umwelt, Landwirtschaft und Ernährung. „No Bees, no Bembel“, sagt Katja Heubach und erklärt: „Fans des Frankfurter Nationalgetränks werden es sofort verstehen: Ohne Biene, die die Apfelblüte bestäubt, kein Apfel und ergo auch kein Apfelwein im Bembel.“ Dieses Zusammenspiel von Insekten und Pflanzen, kurz Blüten- und Bestäuberökologie, hat der Palmengarten zu seinem neuen Leitthema erkoren. Heubach sagt: „Seinen Schwerpunkt findet es im neuen Blüten- und Schmetterlingshaus. Auch an vielen anderen Stellen in Palmengarten und Botanischem Garten sowie in unseren neuen pädagogischen Angeboten wird es unseren Gästen begegnen.“

Die Eröffnung des BSH ist einer der Höhepunkte, auf den sich die Palmengarten-Besucher 2021 freuen können. Ende Juni startet die große Jubiläumsaustellung, zu sehen sowohl in der Galerie am Palmenhaus als auch im Freiland. Neben einer Zeitreise durch 150 Jahre Palmengarten-Geschichte gewährt sie Einblicke in die Themen Gartenkunst, die botanischen und gärtnerischen Sammlungen im Wandel der Zeit, Glanz und Gastlichkeit, Musik im Palmengarten, Sport und Spiel sowie Bildung und Engagement. Eine Zukunftswerkstatt wagt einen Blick in die kommenden 150 Jahre. Im Freiland verdeutlichen historische Sichtachsen, wie der Palmengarten sich gewandelt hat: An markanten Punkten laden Stationen mit historischen Bildern zum direkten Vergleich mit den heutigen Sichtachsen ein.

Soundinstallationen von Lasse-Marc Riek bieten unter der Überschrift „Transformationen“ an verschiedenen Stellen im Garten besondere akustische Einblicke in die Welt der Tiere und Pflanzen. Auf der Spielwiese entsteht unter dem gleichen Thema der begehbare Pavillon „imd_plant transistor“ in Kooperation mit dem Institut für Materialdesign der Hochschule für Gestaltung in Offenbach. Im Juli startet die Musiksaison und ab November spielen die Schmetterlinge erneut eine Hauptrolle. Die Fotoausstellung von Ingo Arndt „Hochstapler, Trunkenbolde und Schnüffler – verrückte Schmetterlinge“ hält viele spannende Geheimnisse und Geschichten über diese Wesen bereit.

„Kunst und Kultur hat im Palmengarten von jeher eine große Rolle gespielt“, sagt Katja Heubach. Im Jubiläumsjahr kann man sich sogar selbst ein Stück Kunst im Palmengarten gönnen. Die Spendenaktion „Ihr Stück Kunst im Palmengarten“ zielt auf die Restauration der verschiedenen Statuen, die überall im Palmengarten zu finden sind. „Den ersten Aufschlag hierzu hat die Palmengarten-Gesellschaft gemacht, die dankenswerterweise die Kosten für die Restaurierung des Brunnens im Eingangsschauhaus mitsamt der Figur ‚Junge mit speienden Fischen‘ sowie die Restaurierung der Siesmayer-Büste übernommen hat.“ Patin oder Pate werden kann man unter anderem, indem man auf der Homepage des Palmengartens sein Interesse bekundet. „Dort stellen wir alle restaurierungsbedürftigen Werke vor, ihre Geschichte und ihre Urheber vor. Zudem nennen wir den Betrag, der jeweils benötigt wird, um ihre Schäden zu beheben“, erklärt Heubach.

Besucher, die sich in die Historie des Palmengartens vertiefen möchten, sei der Jubiläumsband „Der Palmengarten. Wo Frankfurts grünes Herz schlägt.“ ans Herz gelegt, der Anfang April erscheint. In ihm beleuchtet Autorin Sabine Börchers sowohl die Anfänge des Gartens als auch das heutige Selbstverständnis. Er schaut hinter die Kulissen, trifft Menschen, die mit ihm verbunden sind und wirft einen Blick in die Zukunft, in der sich der Palmengarten als botanischer Garten in Zeiten des Klimawandels neuen Herausforderungen stellen muss. Das Jubiläums-Magazin „Das blühende Leben“ berichtet kurzweilig über Gartengeschichte und -geschichten, aktuelle Themen im Jubiläumsjahr und widmet sich denjenigen, die den Palmengarten gärtnerisch und inhaltlich gestalten. Zudem ist pünktlich zum Jubiläum die neue Website http://www.palmengarten.de online gegangen. „Und auch die U-Bahn-Station Westend heißt jetzt ‚Westend (Palmengarten)‘ – ein tolles Geschenk der Stadt zu unserem Geburtstag. Man kann quasi behaupten, am Palmengarten-Jubiläum führt kein Weg vorbei“, sagt Heubach.

Am Montag, 15. März, haben Direktorin Heubach und Stadträtin Heilig ein Original einer „Palmengarten-Actie“ auf den Weg Richtung Historisches Museum Frankfurt gebracht, die Gartengründer Heinrich Siesmayer vor mehr als 150 Jahren erdacht hatte, um seinen Plan eines Frankfurter Palmengartens Wirklichkeit werden zu lassen. „Auch im Historischen Museum wird unser Geburtstag gewürdigt. Als Teil der Ausstellung ‚Die Stadt und das Grün – Frankfurter Gartenlust‘, die ab 25. März zu sehen sein wird“, erklärt Heubach.