Neujahrsbotschaft von Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler und Oberbürgermeister Peter Feldmann

Liebe Frankfurterinnen und Frankfurter, Ende November hat die Gesellschaft für deutsche Sprache den Begriff „Corona-Pandemie“ zum Wort des Jahres gewählt. Seit Monaten bestimmen Ansteckungszahlen und die sogenannten AHA-Regeln unser Denken und Handeln.

Händewaschen, Maskenpflicht, Mindestabstand und frische Luft: Was gegen das Virus hilft und wie wir seine Ausbreitung stoppen können – das haben wir alle lernen müssen. Wir müssen der Wissenschaft vertrauen, aber wir haben auch gelernt, dass wissenschaftliche Erkenntnisse immer nur vorläufig sind, dass der Stand der Forschung sie revidieren, verändern oder bestätigen kann.

Das Virus hat uns Grenzen aufgezeigt. Bestehende Probleme und Herausforderungen werden durch die Pandemie nicht etwa in den Hintergrund gerückt, sondern zeigen sich noch deutlicher und werden wie unter einem Brennglas verstärkt, denken wir nur an die Situation im Pflegebereich oder an das Thema Digitalisierung in der Schule.

Deshalb ist es notwendig, die Lage immer wieder neu zu bewerten und auf Sicht zu fahren, auch wenn es anstrengend und mühsam ist. Auch wir hätten am liebsten ein verbindliches Ablaufdatum für die strengen Corona-Regeln. Wir verstehen die Verunsicherung der Menschen, wir teilen das Es-leid-Sein, das Nicht-mehr-abwarten-Können. Dennoch: Zu Einschränkungen und Verzicht gibt es derzeit leider keine Alternative. Wer etwas anderes behauptet, streut den Menschen Sand in die Augen. Das ist aber nur eine Seite der Situation.

Die Geschichte lehrt uns, dass Krisenzeiten immer auch Phasen der Innovation sind, dass sich Chancen für neue Ideen und Kreativität eröffnen, die uns wieder Zuversicht und Optimismus schenken. Und so werden wir mit Hilfe der neu entwickelten Impfstoffe am Ende das Virus besiegen – doch nur dann, wenn wir alle weiterhin Disziplin üben und in unserer Entschlossenheit, den Erreger zu bekämpfen, nicht nachlassen.

„In der Krise beweist sich der Charakter“, hat der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt einmal gesagt. Wir finden: Diesen Charaktertest haben Sie, liebe Frankfurterinnen und Frankfurter, mit Bravour bestanden.

Die meisten von Ihnen beherzigen nicht nur die weitreichenden Einschränkungen, Sie haben auch Ihre Herzen geöffnet. Sie haben Einkaufshilfen organisiert für Menschen, die zuhause bleiben müssen. Sie haben für Ihre lokalen Händler und das kleine Theater um die Ecke gekämpft. Sie haben Vorlese-Videos für Kinder aufgenommen, Kultureinrichtungen unterstützt und noch vieles andere mehr. Vor allem aber: Sie haben anderen gezeigt, dass sie Ihnen nicht egal sind.

Ihr Einsatz beeindruckt und berührt. Er macht unsere Heimatstadt Frankfurt noch lebens- und liebenswerter – vielen Dank dafür!

Stadtverordnetenversammlung und Magistrat werden alles tun, um Sie in diesem Engagement zu unterstützen. Schon jetzt gibt es – auch auf kommunaler Ebene – eine Vielzahl von Programmen, um von der Krise betroffenen Menschen und Unternehmen unter die Arme zu greifen. Wir lassen Sie nicht im Stich!

Auch was die anstehenden Impfungen betrifft, sind wir gut aufgestellt. Der Planungsstab Impfzentrum unter der Leitung des Frankfurter Gesundheitsamtes hat sich, unterstützt vom örtlichen Katastrophenschutz, höchst kompetent um die Einrichtung des Impfzentrums in der Festhalle gekümmert – eine logistische Herkulesaufgabe, denn dort sollen in den nächsten Monaten täglich bis zu 4000 Menschen geimpft werden.

Was bringt 2021, abgesehen von der von uns allen erhofften Rückkehr zur Normalität? Es stehen wichtige Weichenstellungen an, in der Wohnungspolitik, beim Ausbau der Kinderbetreuung, in der Verkehrspolitik, beim Klima- und Umweltschutz oder auch bei der Frage, wie es mit unseren städtischen Bühnen weitergeht. Bei all diesen Entscheidungen sind Sie, liebe Frankfurterinnen und Frankfurter, mit im Boot. Denn bei den Wahlen am 14. März entscheiden Sie über die Zusammensetzung der neuen Stadtverordnetenversammlung und der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung.

Die Parteien haben ihre Vorschläge gemacht. Wir bitten Sie: Mischen Sie sich ein, nehmen Sie Ihr Stimmrecht wahr! 2016 haben das nur 39 Prozent der Frankfurterinnen und Frankfurter getan. Das können wir doch besser, meinen Sie nicht?

Die Briefwahl ist übrigens in Zeiten von Corona eine besonders sichere Alternative zur persönlichen Stimmangabe.

Wir wünschen Ihnen zum neuen Jahr alles Gute und viel Erfolg – bleiben Sie zuversichtlich, vor allem aber: Bleiben Sie gesund!

Ihr
Stephan Siegler
Stadtverordnetenvorsteher

Peter Feldmann
Oberbürgermeister