Festakt in der Paulskirche zum 30. Jahrestag der Deutschen Einheit

(pm/fsm) – Bürgermeister Uwe Becker hat beim Festakt in der Paulskirche anlässlich des 30. Jahrestags der Deutschen Einheit die Gäste willkommen geheißen und seinen Blick sowohl auf das Erreichte als auch auf die noch zu lösenden Herausforderungen gerichtet.

„Der Tag der Deutschen Einheit ist ein Tag der Freude für unser Land. Die friedliche Revolution, die von den Menschen in der damaligen DDR herbeigeführt wurde, beeindruckt mich auch 30 Jahre später nach wie vor. Eine gewaltfreie Bürgerbewegung, die mehr Freiheit forderte und damit die Diktatur in der DDR zu Fall brachte, verdient unseren Respekt und Anerkennung“, sagte Becker. „Das Streben nach Freiheit, nach Demokratie und Rechtsstaatlichkeit war größer, höher und stärker als jede Mauer. Die Wiedervereinigung war nicht Ziel, aber die logische Folge des Mauerfalls. Die friedliche Revolution war das Werk vieler mutiger Frauen und Männer in der DDR, aber auch zuvor in Polen, Ungarn und der ČSSR. Auch an sie alle denken wir heute und verneigen uns vor ihnen in Dankbarkeit.“

Die Einheit Deutschlands sei nur im Rahmen des europäischen Einigungsprozesses möglich gewesen, wie auch umgekehrt das Zusammenwachsen Europas nie mit einem geteilten Deutschland funktioniert hätte. „Deutschland verdankt seine Einheit diesem Geist und daher müssen wir alles daran setzen, dass er stark bleibt, stärker als jener Ungeist, der neue gesellschaftliche Gräben aufreißen will. Das historische Geschenk der Einheit verlangt ob der Geschichte wegen eine umso größere Verantwortung. Leider macht sich aber 30 Jahre nach der Wiedervereinigung unseres Landes jener Ungeist wieder breit, der unser Land in die menschliche Kälte und Unmenschlichkeit geführt hat. Wir müssen gegen jene aufstehen, die neue Mauern bauen und neue gesellschaftliche Gräben aufreißen wollen. Aus gesellschaftlichen Gräben werden Schützengräben und von diesen hat Europa in seiner Geschichte schon zu viele gesehen“, sagte Becker.

An ein geteiltes Deutschland habe mittlerweile eine ganze Generation gar keine eigenen Erinnerungen mehr, führte der Bürgermeister weiter aus. Es sei für viele junge Menschen unvorstellbar. Doch selbstverständlich sei ein auch gesellschaftlich vereintes Deutschland und das freiheitliche Zusammenleben in einem gemeinsamen, freien Staat, einer offenen Gesellschaft und einem friedlichen Europa nicht. Bis hierhin habe es vielen Bürgerinnen und Bürgern enorme Anstrengungen abverlangt. „Die unterschiedliche Perspektive auf die Wiedervereinigung und die damit zusammenhängenden unterschiedlichen Lebensverläufe in Ost- und Westdeutschland müssen mehr unsere Beachtung finden“, sagte Becker.

„Die gesellschaftlichen Veränderungen vor 30 Jahren haben alle Menschen in Ostdeutschland sehr persönlich erlebt und in vielen Leben hat das tiefe Schnitte hinterlassen. Viele Bürgerinnen und Bürger in Westdeutschland erlebten die Wiedervereinigung eher passiv und ohne merkliche Veränderungen der persönlichen Lebenssituation. Auch diese Unterschiede sollten wir im Umgang miteinander beachten und respektieren“, betonte der Bürgermeister. „Das Geschenk, dass uns allen von den ostdeutschen Bürgerinnen und Bürgern gemacht wurde, sollten wir 30 Jahre danach wertschätzen und nicht als selbstverständlich hinnehmen. Das gegenseitige Verständnis und der Respekt müssen immer im Mittelpunkt unseres Handels stehen. Diese bilden die Basis für den gesellschaftliche Zusammenhalt.“

Ein freies und demokratisches Land für alle Bürgerinnen und Bürger sei das Ziel gewesen, als vor über 30 Jahren die ersten Bürgerinnen und Bürger in der DDR auf die Straße gingen. Dass aus zwei Gesellschaften eine gemeinsame wird, sei ein deutlich längerer Prozess als die reine Wiedervereinigung, die vor 30 Jahren erfolgreich ihre Vollendung fand.

Foto: Stadt Frankfurt