Frankfurter Stadtwald in schlechtem Zustand: 97 Prozent der Bäume geschädigt

(pm/fsm) – Der diesjährige Waldzustandsbericht für den Frankfurter Stadtwald zeigt die dramatische Situation, hervorgerufen durch die beiden letzten heißen und trockenen Sommer.

Der Gesundheitszustand der Waldbestände im Frankfurter Stadtwald hat sich im Jahr 2019 durch den Hitzestress und die geringen Niederschläge noch einmal verschlechtert. Zudem sank der Grundwasserspiegel um 1,34 Meter ab, so dass auch die Wasserversorgung aus tieferen Bodenschichten für die Bäume deutlich schwieriger wird. Insgesamt zeigen 96,9 Prozent der Waldbäume Verlichtungen in den Baumkronen, hervorgerufen durch verminderten Blattaustrieb und frühzeitigen Laubfall. Dies ist das höchste erfasste Niveau der Schädigungen seit Beginn der Waldzustandserhebung.

Das ist das Ergebnis des Waldzustandsberichtes 2018/19, der jetzt vorliegt. Untersucht wurde dabei der Zeitraum von August 2018 bis August 2019.

Die Zustandserhebung wird seit 1984 auf 166 fest ausgewiesenen Probeflächen durchgeführt. Dabei werden insgesamt 1660 Bäume, davon 38 Prozent Eiche, 34 Prozent Kiefer und 28 Prozent Buche inklusive Edellaubhölzer (beispielsweise Esche und Ahorn) in ihrer Entwicklung untersucht. Diese Auswahl entspricht in etwa der Zusammensetzung der Hauptbaumarten im Stadtwald.

Klassifiziert werden vier Stufen:

Stufe 0 – ohne Kronenverlichtung, Blatt- und Nadelverlust bis 10 Prozent
Stufe 1 – schwache Kronenverlichtung, Blatt- und Nadelverlust 11 bis 25 Prozent
Stufe 2 – mittelstarke Kronenverlichtung, Blatt- und Nadelverlust 26 bis 60 Prozent
Stufe 3 – starke Kronenverlichtung, Blatt- und Nadelverlust 61 bis 100 Prozent

Den Schwerpunkt bilden wie auch in den Vorjahren die Schadstufen 1 und 2 mit zusammen rund 70 Prozent. Große Sorgen macht den Stadtförstern jedoch die Verdopplung bei der Schadstufe 3 (starke Kronenverlichtung) von rund 11 Prozent im Jahr 2018 auf fast 27 Prozent in diesem Jahr.

Etwa 140 Bäume waren zum Zeitpunkt der Datenerhebung bereits vollständig abgestorben, das entspricht rund 8 Prozent des Gesamtbestandes.

Eiche und Kiefer leiden besonders deutlich unter den Klimaveränderungen. „Wir rechnen damit, dass in den nächsten Jahren Jungbaumbestände in einer Größenordnung von etwa 20 bis 25 Hektar ausfallen“, erklärt Peter Rodenfels, stellvertretender Leiter der Abteilung Stadtforst im Grünflächenamt. „Sorgen macht uns auch die Kiefer, die wir immer für relativ widerstandsfähig gegen Hitze und Trockenheit gehalten haben. Aber auch hier verzeichnen wir große Flächen mit absterbenden Bäumen in allen Altersklassen und auch auf den Naturverjüngungsflächen.“

Die geschwächten Bäume sind besonders anfällig für Krankheiten und Windwurf. So wurden beispielsweise auf Frankfurter Waldflächen im Taunus bei einem Unwetter 2000 Festmeter frisch ausgetriebene Altbuchen umgeworfen. An den Wurzeln konnte man deutlich erkennen, wie trocken der Boden war. Fehlt die Bodenfeuchte, finden die Wurzeln keinen Halt und können dem Wind keinen Widerstand mehr leisten.

Ein weiteres Thema sind Pilzkrankheiten wie das Diplodia-Triebsterben bei den Kiefern oder die Rußrindenkrankheit, die vor allem bei Ahornbäumen auftritt. Auch Schadinsekten richten bei bereits geschwächten Bäumen beträchtlichen Schaden an. So fielen bei den Fichtenbeständen im Taunus 7000 Festmeter Schadholz durch den Borkenkäfer an. Insgesamt mussten rund 25.000 Festmeter Schadholz aus dem Wald entnommen werden, das entspricht etwa der Fläche von 172 Fußballfeldern und damit der zehnfachen Menge des sonst Üblichen.

Die Antwort auf den Klimawandel sieht Stadträtin und Biologin Rosemarie Heilig in einer naturnahen Waldbewirtschaftung, wie sie in Frankfurt seit 2014 durch das FSC-Siegel verbürgt ist und praktiziert wird: „Strukturreiche Mischwälder, in denen auch Totholz stehen oder liegen bleibt, sind anpassungsfähiger gegenüber Umweltveränderungen und regenerieren sich besser als Monokulturen“, erläutert Heilig. Dennoch herrscht in Bezug auf die künftige Waldbewirtschaftung auch in Fachkreisen eine gewisse Ratlosigkeit. „Überstürzter Aktionismus ist im Wald nicht der richtige Weg. Vielmehr muss der Fokus der Forschung in den kommenden Jahren auf nachhaltigen Waldbaumethoden liegen, mit einer klimaangepassten Auswahl der Baumarten. Einen ersten Erfahrungsaustausch mit der Fachwelt erhoffen wir uns vom Waldkongress in Frankfurt am 25. November.“

Der Waldzustandsbericht 2019 ist im Internet auf der Seite des Grünflächenamtes unter http://www.gruenflaechenamt.stadt-frankfurt.de abrufbar.