Frankfurter Vereinssport erneut gewachsen

Der Vereinssport in Frankfurt ist erneut gewachsen. Haben im Januar 2018 noch rund 215.000 Menschen Sport in einem Verein getrieben, waren es nach der vorläufigen Erhebung des Landessportbundes Hessen (lsb h) Anfang diesen Jahres bereits über 236.000.

Die 25 größten Vereine konnten insgesamt um rund 21.000 Mitglieder zulegen. Den größten Zuwachs verzeichnet Eintracht Frankfurt mit einem Anstieg um rund 17.000 auf nun 64.000 Mitglieder.

Die Mitglieder in Frankfurter Sportvereinen sind seit 2015 (190.000 Mitglieder) um rund 46.000 gestiegen. Als einen der Gründe für das stetige Wachstum bezeichnete Sportkreisvorsitzender Roland Frischkorn in der heutigen Bilanzpressekonferenz die Bereitschaft von Vereinen, in die eigene Infrastruktur zu investieren: „Vereine mit eigenen Sportstätten übernehmen Verantwortung dafür, dass es in unserer wachsenden Stadt ausreichend Bewegungsmöglich-keiten gibt.“ Exemplarisch hierfür steht der Turnverein 1882 Harheim, der seit der Fertigstellung seiner Halle 2006 rund 500 Neuzugänge verzeichnen konnte und nun 1.037 Mitglieder zählt. Weitere besitzende Vereine sind unter anderem Eintracht Frankfurt, die Turngemeinde Bornheim (29.956 Mitglieder), der FTV 1860 (1.720) und der TV Sindlingen (1.030).

Die Sportstättensituation bezeichnet Frischkorn insgesamt jedoch als unbefriedigend: „Viele Vereine können keine Mitglieder mehr aufnehmen, weil sie zu wenig Platz haben. Es kann daher nicht angehen, dass wir von Frankfurt als Sportstadt sprechen und zeitgleich die Umwidmung von Sportanlagen diskutieren.“ Derartige Überlegungen gibt es zur Sportanlage Mainwasen, Heimat des SV Sachsenhausen und des VfL Germania mit über 800 Mitgliedern. Das Gelände steht für einen Neubau der Europäischen Schule zur Diskussion, die in Niederursel an Kapazitätsgrenzen stößt. „Wir haben erst vor drei Jahren eine Fußballschule eröffnet. Neben dem Fußball betreiben wir eine Kegelbahn und Tennisplätze, diese Arbeit lässt sich nicht einfach an anderer Stelle fortsetzen“, sagt Bernd Nobis, Vorsitzender des VfL Germania. Maurice Skowronek vom SV Sachsenhausen unterstreicht die Bedeutung des Standorts: „Unsere Vereine gehören zu den wenigen Anlaufstellen für die Innenstadt, aber auch das Ostend oder Sachsenhausen gehören zum Einzugsgebiet.“

In Richtung Stadt kritisierte Frischkorn zudem, dass diese zu lange brauche, um Neubauten zu realisieren. Am Beispiel des 2017 fertiggestellten Sportparks Preungesheim sagte der Sportkreisvorsitzende: „Während Vereine ihre Anlagen teilweise innerhalb weniger Jahre planen und bauen, kann man in Preungesheim angesichts von mehr als 20 Jahren bis zur Eröffnung von einer verlorenen Generation sprechen.“

Die amtierende Stadtregierung mahnte er an, die im Koalitionsvertrag festgeschriebenen Vorhaben zeitnah umzusetzen. Das Papier sieht unter
anderem vor, Sportangebote in Parks auszuweiten. In Städten wie Stuttgart, so Frischkorn, sei man so weit, dass Vereine Patenschaften für Spiel- und
Grünflächen übernähmen: „Der Sportkreis und seine Mitgliedsvereine würden sich über Gespräche mit der Stadt freuen, wie mit den Vereinen zusätzliche Angebote auf Freiflächen geschaffen werden können.“

Positiv hob Frischkorn hervor, dass die Stadt den organisierten Sport beim Bau eigener Anlagen unterstütze. So erhalten Vereine je nach Anteil der
jugendlichen Mitglieder bis zu 50 Prozent ihrer Investitionskosten erstattet. Auch das städtische Kunstrasenprogramm trage zu besseren Bedingungen für Vereine bei. Mit einem Sonderprogramm plant die Stadt, sämtliche städtische Sportanlagen bis voraussichtlich 2021 mit einem Kunstrasenspielfeld auszustatten.

Mehr Raum für Bewegung schafft der Sportkreis Frankfurt in der Fabriksporthalle, dem Sitz seiner Geschäftsstelle. Seit 2017 betreut der Dachverband den Betrieb in der Vierfeld-Halle. Durch die flexible Vergabe ungenutzter Zeiten an Wochenenden und in den Ferien haben Sportgruppen im vergangenen Jahr rund 500 zusätzliche Stunden trainieren können. Auch eigene Formate haben Platz: Am 23. März veranstaltet der Sportkreis von 14
bis 20 Uhr seine dritte Info-Messe Sport in der Fabriksporthalle. Bei der Veranstaltung dreht sich alles um den Zugang von Jugendlichen in den Sport. Neben Sportvereinen werden auch Jugendzentren und frei organisierte Gruppen wie die „Main Calisthenics“ aus dem Hafenpark ihre Angebote
vorstellen. Der Sportkreis wird seine Formate „BasKIDball“ und „Frankfurter Bolzplatzliga“ präsentieren, die Sportjugend Frankfurt organisiert ein
Schnuppertraining im Boxen.

Der Sportkreis Frankfurt e.V. ist die Dachorganisation der Frankfurter Turn- und Sportvereine und dem Landessportbund Hessen angeschlossen. Er vertritt die Interessen der rund 420 Frankfurter Turn- und Sportvereine mit über 235.000 Sportlerinnen und Sportlern nach innen und außen. Dabei unterstützt er die Vereine zum Beispiel bei Zuschüssen, Öffentlichkeitsarbeit, Mitgliedergewinnung und Weiterentwicklung von Sportangeboten.