Zusammenhalt gemeinsam stärken

(pm/fma) – Sich für etwas begeistern, „Feuer und Flamme sein“, wie es so schön heißt – Pfingsten ist ein guter Anlass, offen für Unbekanntes zu sein und Neues zu entdecken. Darauf weist Kirchendezernent Uwe Becker hin.

Nicht nur, weil die Redewendung „Feuer und Flamme sein“ sich aus dem zweiten Kapitel der biblischen Apostelgeschichte ableitet: Bei dem Treffen der Jünger „sah man etwas wie Feuer, das sich zerteilte, und auf jeden von ihnen ließ sich eine Flammenzunge nieder“. Der Heilige Geist ermöglichte die Verständigung über Sprachbarrieren hinweg. Kirchendezernent Uwe Becker sieht es als förderlich für unsere wachsende und sich wandelnde Gesellschaft an, offen und begeisterungsfähig zu sein, sich auf Unbekanntes einzulassen und Barrieren zu überwinden, gerade auch gegenüber anderen Kulturen und Religionen.

„Für die aktuellen Herausforderungen brauchen wir einen starken Zusammenhalt in der Gesellschaft. Dafür ist auch heute das gegenseitige Verständnis unersetzlich. Wir können dieses Verstehen und diesen Zusammenhalt täglich in unserer schönen Stadt Frankfurt am Main erleben. Um diesen Zusammenhalt zu stärken sind christliche Werte unverzichtbar. Leben wir gemeinsam diese Werte und Traditionen, stärken wir unsere Gemeinschaft und entscheiden auch, in was für einer Gesellschaft wir leben wollen“, sagt Becker.

Damit der christliche Glauben in die Welt hinaus getragen werden konnte, erlangten die Jünger an Pfingsten durch die Entsendung des Heiligen Geistes die Fähigkeit, andere Sprachen zu sprechen und andere Sprachen zu verstehen. Theologisch steht dies für die Mission der Kirche, alle Menschen unabhängig von ihrer Nationalität und Ethnizität anzusprechen. Nationalität und Ethnien dürfen auch in unserer heutigen Stadtgesellschaft keine Barrieren darstellen.

„Es ist wichtig, sich der Bedeutung der christlichen Werte immer wieder bewusst zu werden. Oftmals geraten diese im Alltag in Vergessenheit, jedoch stärken genau diese Werte unseren Zusammenhalt. Nur so können wir extremen Rändern etwas entgegensetzen, die den sozialen Frieden in unserer Stadt bedrohen“, betont Becker.

Der Name „Pfingsten“ ist auf das griechische Wort „pentekoste“ zurückzuführen, welches „der Fünfzigste“ bedeutet. Seit etwa Ende des vierten Jahrhunderts wird das Pfingstfest, welches auch als Geburtstag der Kirche verstanden wird, fünfzig Tage nach Ostern gefeiert.

An die Entsendung des Heiligen Geistes erinnert am Samstag vor Pfingsten in Frankfurt am Main auch ein Klangerlebnis der ganz besonderen Art.  Zum Großen Stadtgeläute ertönen am Samstag vor Pfingsten von 16.30 Uhr bis 17.00 Uhr die Glocken aller zehn Innenstadtkirchen.

„Die Glocken der Kirchen geben der Stadt eine einmalige Stimme und lädt dazu ein, es jedes Mal neu zu entdecken. Je nach Standpunkt variiert dieses Erlebnis. Auch Kenner können so dieses nicht nur in Deutschland einzigartige Konzert immer anders erleben. Frankfurt kann stolz sein auf diese Tradition“, sagt Kirchendezernent Uwe Becker. Jede der beteiligten Kirchen hat ein eigenständiges Geläute, gemeinsam ergeben sie ein harmonisches Gesamtkonzept. „Gerade für neu zugezogene Bürgerinnen und Bürger kann das ein ganz besonderes Ereignis sein. Durch diese Tradition können unsere die christlichen Werte weiter vermittelt werden.“

Die Tradition des Läutens reicht weit zurück: Bereits 1347 ist das Läuten aller Glocken belegt. Jedoch noch ohne eine solche harmonische Abstimmung der Glocken aufeinander, wie es heute der Fall ist.

Im Mai 1856 beschloss der Senat der Freien Stadt Frankfurt, zu Weihnachten, Ostern und Pfingsten ein Geläut zu veranstalten, welches später das „Große Stadtgeläute“ genannt wurde. Als Folge des Zweiten Weltkrieges waren die Kirchen und auch die Glocken weitestgehend zerstört. Die Stadt Frankfurt am Main hat als Eigentümerin der Innenstadtkirchen die zerstörten Kirchen wieder aufgebaut, auch zahlreiche neue Glocken mussten gegossen werden. Die Konzeption des Großen Stadtgeläutes geht auf das Jahr 1954 zurück. Die damals Verantwortlichen der Stadt ließen den Mainzer Glocken- und Orgelbausachverständigen Professor Paul Smets ein in sich geschlossenes Konzept für die Geläute aller Dotationskirchen erarbeiten. Das Ergebnis beeindruckt und erfreut auch nach Jahrzehnten immer wieder aufs Neue die Frankfurterinnen und Frankfurter sowie zahlreiche Besucherinnen und Besucher.

„Das Große Stadtgeläute ist eine besondere Art, an den Feiertagen einen Moment des Innehaltens zu schaffen. Die Glocken erinnern die Bürgerinnen und Bürger eindrucks- und klangvoll an die Bedeutung der Feiertage und vielleicht rufen Sie auch die christlichen Werte und Traditionen in Erinnerung und die Bereicherung, die daraus für die gesamte Gesellschaft hervorgeht“, sagt Kirchendezernent Becker. „Vielleicht löst der Klang die ein oder andere Barriere im Kopf der Zuhörerinnen und Zuhörer, und beschwingt sie, sich auf Unbekanntes einzulassen.“

Außer am Samstag vor Pfingsten ist das Große Stadtgeläute am Samstag vor Ostern, am Samstag vor dem ersten Advent und am Heiligen Abend für jeweils eine halbe Stunde zu hören. In der Neujahrsnacht läuten die Glocken um Mitternacht für eine Viertelstunde.